Der Text des emeritierten Salzburger Erzbischofs Dr. Alois Kothgasser beschäftigt sich umfassend mit den in der heutigen Gesellschaft zunehmenden  Bedrohungen des menschlichen Lebens besonders am Anfang und am Ende seines irdischen Daseins -  insbesondere durch lebensbeendende medizinische Maßnahmen wie Abtreibung und Euthanasie. Daher sieht er es als Aufgabe der Kirche, „den Stimmlosen ihre Stimme zu leihen und eine klare und feste Bekräftigung des Wertes des menschlichen Lebens und seiner Unantastbarkeit als leidenschaftlichen Appell im Namen Gottes an alle und jeden einzelnen zu richten: Achte, verteidige, liebe das Leben, jedes menschliche Leben, und diene ihm!“ Gerechtfertigt durch eine individualistische Freiheitsauffassung wird in paradoxer Weise den, in unserer Gesellschaft so hoch bewerteten Menschenrechten am Beginn und Ende des Lebens widersprochen. Es handelt sich um eine Freiheit der Stärkeren gegen die Schwachen, die ihre Grenze nicht mehr an Freiheit und Recht des anderen, sprich des ungeborenen Kindes, findet. Aus einem christlichen Weltbild heraus können gängige Rechtfertigungsgründe für Abtreibung, wie materielle oder seelische Notlage und Selbstbestimmungsrecht der Frau - bei allem Verständnis für die vielfältigen Notsituationen – nur als nachgeordnete Gesichtspunkte angesehen werden: Bei Abtreibung geht es nicht um ein einzelnes Gut, sondern um das Leben selbst, das als Voraussetzung aller anderen Güter des Lebens, in jedem Fall das vorrangige Grundrecht darstellt. Es gilt neu in vielfältiger Weise inner- und außerhalb der Kirche Verantwortung für eine neue Kultur des Lebens zu übernehmen.
 

Autor: Kothgasser, Alois
Erscheinungsjahr: 2005
Umfang: 15 Seiten
Medientyp: Sonstige
Ort: Salzburg
Verlag: Erzdiözese Salzburg
Datenbank-ID: 2005-KOT-0056