Abtreibung war bereits in der Antike eine durchaus gängige Praxis, die unterschiedlich moralisch bewertet wurde. Der Text umreißt die soziologische, juristische und theologische Sicht rund um die Thematik Abtreibung in der Antike (hellenistische und römische Zeit), im antiken Judentum und im Urchristentum.  Bemerkenswerter Weise wurde weder im Alten noch im Neuen Testament Abtreibung explizit erwähnt bzw. verboten. Es gab wohl keine Veranlassung dieses Thema speziell zu erörtern, da bereits für die ersten Christen Abtreibung in keinem Fall eine ethisch vertretbare Handlung darstellte. Der erste Beleg eines Verbotes von Abtreibungen in christlichen Schriften findet sich erst im 2. Jahrhundert. Entscheidend entwickelt sich im 3. Jahrhundert die Überzeugung, dass mit dem Augenblick der Empfängnis die Seele als Lebensprinzip vorhanden und der Embryo vom ersten Augenblick an mit einer vollständigen menschlichen Seele ausgestattet sei (Tertullian). Daraus leitet sich argumentativ in logischer Konsequenz ab, dass die Tötung eines Embryos im Mutterleib die Tötung eines beseelten Menschen ist. Damit kam es zu einem Umbruch der antiken Rechtslehre, eine Basis für eine christliche Argumentation bis in die heutige Zeit wurde gelegt.

Autor: Ernst, Michael
Erscheinungsjahr: 2007
Umfang: 15 Seiten
Medientyp: Buchauszug
In: Egger-Wenzel, Renate (Hg.): Geist und Feuer. Festschrift anlässlich des 70. Geburtstages von Erzbischof Alois M. Kothgasser SDB
Ort: Innsbruck, Wien
Verlag: Tyrolia
Datenbank-ID: 2007-ERN-0033