Laut einer aktuellen Studie zur Sterbehilfe geben rund 10.000 aller über 55-jährigen Niederländer den Wunsch an, dass sie ihr Leben frühzeitig beenden wollen – auch wenn sie an keiner ernsthaften Erkrankung leiden. Die Gründe liegen bei Einsamkeit, der Sorge anderen Menschen zur Last zu fallen und finanziellen Nöten. Hintergrund ist die Debatte, ob in den Niederlanden künftig auch gesunde Menschen aktive Sterbehilfe erhalten dürfen, wenn sie ihr Leben als „erfüllt“ ansehen und damit abgeschlossen haben. Die Ethikerin Susanne Kummer plädiert dafür, sich von einem abstrakten Autonomiebegriff zu verabschieden. Im konkreten Umfeld in Familie und Gesellschaft liegen die Ressourcen um solidarisch der Schutzbedürftigkeit und den Nöten älterer oder kranker Menschen gerecht zu werden. Tötung sei die falsche Antwort auf Hilfsbedürftigkeit. Die Legalisierung des assistierten Suizids bringt die Gefahr mit sich, dass Ärzte die „kostengünstigste Option“ anbieten – nämlich Beihilfe zum Suizid – anstelle von medizinischen Behandlungen oder Unterstützungen zur Lebensverbesserung. Wenn Tötung zur normalen Option in einer Gesellschaft wird, dann geht der Druck nicht nur auf Patienten über, sondern auch von Patienten auf Ärzte. Ein Sterbewille darf nicht durch das Rechtssystem unterstützt werden, ebenso wie Freigabe des Suizids und Suizidprävention einander widersprechen.

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Autor: Kummer, Susanne
Erscheinungsjahr: 2020
Umfang: 4 Seiten
Medientyp: Fachbeitrag
In: IMABE – Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik (Hg.): Imago Hominis 1/2020. Grenzsituationen in Medizin und Pflege. 27/1
Ort: Wien
Verlag: IMABE
Datenbank-ID: 2020-KUM-0154

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